Im Kino: "Twilight – Biss zum Morgengrauen"High-School-Romanze mit züchtigem Vampir und hoher Luftfeuchtigkeit
Die Verfilmung von Stephenie Meyers Bestseller, bei der Catherine Hardwicke Regie führte, ist garantiert jugend- und horrorfrei. Und der Blutsauger? Einfach zum Anbeißen!
Nein, ein typischer Vampirfilm ist „Twilight – Biss zum Morgengrauen“ nicht. Auch wer ganz bestimmt kein Blut sehen kann, ist hier durchaus richtig. In den USA machten pubertierende Mädchen mit ihren Müttern im Schlepptau (oder war es umgekehrt?) den Film zum Kassenhit. Für alle, die High-School-Romanzen mit viel amerikanischem Kleinstadt-Flair mögen, könnte es sogar ein ganz amüsanter Kinoabend werden. Es fängt damit an, dass die 17-jährige Bella Swan (Kristen Stewart) nicht mehr bei ihrer Mutter leben kann, weil diese wieder geheiratet hat; sie zieht daher in den Bundesstaat Washington zu ihrem Vater. Der ist Polizeichef in einem Kaff namens Forks, in dem es unaufhörlich regnet (den Ort gibt es wirklich, und er verzeichnet tatsächlich die höchsten Niederschläge in den USA). Die Begeisterung Bellas über den schrottreifen Pickup-Truck, den sie von ihrem Daddy bekommt, ist nur schwer nachzuvollziehen, aber ihre Schussligkeit macht sie sofort sympathisch. Und obwohl sie so schüchtern und naturbelassen daherkommt, ist sie an ihrer neuen High School sofort ausgesprochen populär. "Twilight" zeigt High-School-Alltag: Bella und der Schönling aus dem Bio-Labor Das muss man dem Film lassen: Die Darstellung des amerikanischen High-School-Alltags ist geradezu liebevoll getroffen. Das Schulleben zwischen Locker und Bio-Labor, das in der Suche nach einem Date für den Prom-Abschlussball gipfelt, macht den Streifen allein schon sehenswert (und zum nützlichen Anschauungsmaterial für künftige US-Austauschschüler). In besagtem Bio-Labor sitzt Bella neben dem blassen – und ziemlich blasierten – Schönling Edward Cullen (Robert Pattinson). Und der scheint nun über die hübsche neue Sitznachbarin gar nicht glücklich – er reagiert geradezu verstört auf Bellas Präsenz. Irgendetwas quält ihn. Aber was? Bella muss nun herausfinden, was das Kinopublikum längst weiß: Der offenbar mit Riesenkräften ausgestattete Edward, der sie in einem spektakulären Stunt davor bewahrt, unter die Räder zu kommen, ist ein Vampir. Ein guter Vampir. Und ein ganz unglaublich gut aussehender Vampir dazu. Seine Lippen sind rot wie Blut, und zu allem Überfluss fährt er einen Volvo C30: die Neuauflage eines legendären Autos, das man „Schneewittchensarg“ nannte. Richtig subtil. Das und die ungesunde Gesichtsfarbe ist aber bei Weitem schon das Gruseligste an dieser James-Dean-Version eines Vampirs, den Darsteller Pattinson (der als Cedric Diggory in „Harry Potter and the Goblet of Fire“ bekannt wurde) mit einem umwerfenden Schlafzimmerblick ausstattet. Dass er anfängt zu funkeln, wenn man ihn in die Sonne hält, ist eher komisch als furchterregend (und der Grund dafür, warum die Vampire an der regenreichen Pazifikküste leben). Die Rolle der "vegetarischen Vampire" in "Twilight – Biss zum Morgengrauen" Wie Bella außerdem herausfindet, gehört Edgar zu einem zivilisierten Clan von Vampiren, der Menschen nichts zuleide tut – die Cullens ernähren sich ausschließlich von Tierblut. Sie selbst nennen sich übrigens „vegetarische Vampire“. Allerdings folgen nicht alle zeitgenössischen Vampire dieser Diät, wie sich bald herausstellt. Ein blutrünstiges Trio verbreitet Angst und Schrecken in der Gegend, und Edgar muss Bella bald schon wieder retten. Verkehrte Vampirwelt. Während Bella sich nichts sehnsüchtiger wünscht, als dass der Junge einmal kräftig zubeißen möge, widersteht der Vampir standhaft der Versuchung: Er möchte ihr nicht weh tun. Ein Blutsauger, der die Liebe nicht konsumiert und sich immer mehr zum Beschützer des jungen Mädchens wandelt – das kommt im prüden Amerika gut an, auch wenn einige Kritiker Bellas passives Verhalten aus feministischer Sicht für eine Rolle rückwärts halten. Insofern hält der Filmtitel "Twilight – Biss zum Morgengrauen" nicht, was er verspricht. Aber halt, da ist noch James (Cam Gigandet) vom nomadierenden Vampir-Trio, der in Bella „was für den kleinen Hunger“ sieht. Der Showdown mit ihm sorgt dann doch für einige zünftige Action-Szenen im Film. Bis sich schließlich alles in Wohlgefallen auflöst – und der Schluss bleibt offen. Die Fortsetzung ist bereits in Vorbereitung: Der Beginn der Dreharbeiten zu „New Moon“ ist für März 2009 geplant. "Twilight – Biss zum Morgengrauen" (USA 2008) Kinostart in Deutschland: 15. Januar 2009 Originaltitel: "Twilight" Regie: Catherine Hardwicke Verleih: Concorde Laufzeit: 121 Minuten
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